v.l. Michael Erhardt, Georg Fetzer, Christian Fiederer

Milliardenpaket für die Bauwirtschaft – noch kein Grund für überbordenden Optimismus in der Roh- und Baustoffbranche

Rund 110 Mitgliedsunternehmen und Gäste folgten der Einladung zur Jahreshauptversammlung des Bayerischen Industrieverbandes Baustoffe, Steine und Erden e.V. (BIV) nach Rottach-Egern. Im Rahmen der Versammlung wurde Georg Fetzer einstimmig zum dritten Mal in Folge zum BIV-Präsidenten gewählt und demonstriert damit jene Beständigkeit, für die die Branche bekannt ist. Neu im Amt sind die beiden Vizepräsidenten Michael Erhardt vom Betonfertigteilunternehmen Hemmerlein Ingenieurbau und Christian Fiederer vom Transportbetonhersteller Heidelberger Beton Inntal GmbH & Co.KG.

Für die Branche gab Präsident Georg Fetzer in seiner Rede noch keinen Anlass zur Aufbruchstimmung, aber machte eines deutlich: „Das Land braucht dringend Investitionen in Infrastruktur und Wohnraum – der Weg wird nur über heimische Roh- und Baustoffe führen, ob recycelt oder primär gewonnen.“ Rund 65 Prozent der Steine-Erden-Produktion in Deutschland gehen in den Hochbau und 25 Prozent in den Tiefbau.

Regierung plant Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur – die Hoffnung liegt auf dem Tiefbau
Die Straßen und Brücken im Land sind marode. Impulse erhofft sich die Roh- und Baustoffbranche aus dem Tiefbau, der vor allem Infrastrukturmaßnahmen wie Verkehrswege beinhaltet. Hier kommt die ortsnahe Gewinnung von Rohstoffen zum Tragen. Es macht weder ökonomisch noch ökologisch Sinn, Rohstoffe über weite Strecken zu importieren. Schon gar nicht in Regionen, die geologisch reich an Vorkommen sind. Die Erwartungen für einen Booster schon im laufenden Jahr bleiben jedoch zurückhaltend. Denn der Aufschwung ist nur dann ein denkbares Szenario, wenn die beschlossenen Mittel tatsächlich zusätzlich ausgegeben werden – und sie werden sich auch erst zeitverzögert ab frühestens 2026 für die Roh- und Baustoffbranche auswirken.

Wohnraum bleibt das Sorgenkind
Die Genehmigungen im Wohnungsmarkt lassen wenig Raum für Zuversicht. 2024 wurden nur knapp über 200.000 Wohnungen genehmigt, der tiefste Stand in zehn Jahren. Eine Trendwende ist dieses Jahr nicht zu erwarten. Steigende Kosten und ein abrupter Zinsanstieg ab 2022 lassen ein Eigenheim für durchschnittlich verdienende private Bauherren in weite Ferne rücken. Auch für Investoren sind geringe Renditen von 2 bis 3 Prozent für frei finanzierte Mietwohnungen nur noch bei Kaltmieten von 17 bis 20 Euro pro Quadratmeter erzielbar. Die Folge: Gebaut wird – wenn überhaupt – mit Zurückhaltung.

Ohne Neubau keine Entspannung zu erwarten
Eine Studie der „ARGE für zeitgemäßes Bauen“ zeigt, dass Nachverdichtung nur etwa zehn Prozent des benötigten Wohnraums schaffen kann. Obwohl Menschen in Deutschland im Durchschnitt in 2,3 Zimmern leben, wohnen 9,6 Mio. Menschen in zu kleinen Wohnungen – eine Million mehr als noch vor fünf Jahren. Es muss mehr bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit Anspruch auf Sozialwohnungen, vor allem aber auch für die Mittelschicht, geschaffen werden. Die Kosten können unter anderem durch dezentrale Gewinnung von Rohstoffen und regionale Produktion von Baustoffen gesenkt werden. Bürokratische Hürden, wie die zusätzlichen Anforderungen aus der Bauproduktenverordnung, die weder Qualität noch Mehrwert der Bauprodukte steigern, sind weitere Hemmnisse und Kostenfaktoren. Die Kriterien für den kostengünstigen Gebäudetyp E müssen auch bei den Bauprodukten wirksam werden.